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Matthias Tholen

Perspektiven (7) Positive Tipping Points: Wie aus kleinen Ursachen große Wirkungen entstehen können.

Das zurückliegende Jahr hatte etwas zutiefst Verstörendes. Viele Menschen bekannten offen und ohne Rückhalt ihren Glauben an die Klimakatastrophe. Richtig gelesen: Glauben!

Tipping Point

In alten Zeiten soll der Glaube noch geholfen haben. Es war der Glaube an einen gütigen zuweilen zürnenden Gott. Heute sind wir aufgeklärt und haben die Kirchen in Millionenstärke verlassen. Und der Glaube? Er hat den Himmel verlassen und das Gewand getauscht. Wir glauben heute an die Katastrophe! Das ist allemal erklärungsbedürftig: Wie viele Menschen kennen Sie, die das, was auf uns zukommt (Zukunft) für unvermeidlich, unaufhaltsam, ja unausweichlich halten?  

Diese Überzeugungen sind geronnene Haltung. Prognosen (übersetzt „Vor-Wissen“) verdichten sich zu grimmigen Prophezeiungen vom Untergang. Der Unterschied macht den Unterschied: Prognosen orientieren zwischen möglichen Zukünften, Prophezeiung ist die festgelegte Zukunft, an die geglaubt wird. Die Psychologie beschreibt diese Düsternis als Self-Fulfilling-Prophecy.

Übersetzt: Wir schieben Überzeugungen vor die Wirklichkeit und halten sie für Wahrheit. Alle Ereignisse werden fortan in diesem Rahmen gedeutet. Kennzeichen eines nicht mehr korrigierbaren Glaubens: Wir suchen nicht Bewährung unserer Überzeugungen, sondern Bestätigung. Nicht mehr Überprüfung ist der Maßstab, sondern Ereignisse bestätigen letztlich die nahende Katastrophe. Stimmen wir uns gemeinsam milde: Ein jeder dürfte hier und da im Angesicht der beschriebenen Krisen-Szenarien mit Bedenken und Nachdenken reagieren. Wie geht es weiter?

Wir werden im Mittelstand geschüttelt wie selten zuvor. Ja.

Aber glauben wir wirklich, dass es katastrophal enden wird? Oder gerade die Widerstände unseren Forschergeist erheben und uns in eine neue Wirtschafts-Form führen?

 

"Wir unterschätzen uns selbst.  Und übersehen, dass die Dinge längst begonnen haben, sich zu drehen und wir uns einmischen sollten.« 

(Maja Göpel, Transformationsforscherin) 

 

Krise, Katastrophe oder Wandel

Sprache kreiert Wirklichkeit.

Wenn wir uns auf eine katastrophale Zukunft festlegen, verdunkeln wir den Blick auf alternative Zukünfte. Achten wir in 2023 auf unseren Sprachgebrauch und machen uns klar: Die Entwicklungen werden gefährdend, wenn wir so weiter machen wie bisher. Wer aber sagt, dass es so kommt? Wir sind mittendrin im Wandel. Auch der Begriff Krise irritiert, denn er suggeriert, dass es vorbei geht. Im wohnt ein Zeithorizont inne. Das Klimathema aber ist eine Jahrhundertaufgabe.

Leisten wir unseren Beitrag.

 

Die große Kränkung

In der Geschichte sprachen wir bisher von den drei großen Kränkungen der westlichen Kultur: Die kopernikanische Wende entfernte die Erde aus dem Mittelpunkt der Welt, Darwin beschrieb den Affen in uns als evolutionäres Erbe und Sigmund Freud machte klar, dass wir im inneren Haus unserer Seele nicht der eigene Herr sind. Die vierte Kränkung wird als fossile Kränkung beschrieben: Unsere als überlegen erlebte Lebensweise der industriellen Welt beschädigt unsere Lebensgrundlagen. Kränkungen verleiten uns Menschen zu zerstörerischem Verhalten – wenn wir sie nicht anerkennen. Die Folgen aus Kränkung: Leugnung, Verdrängung, Aggression und Scham. Was wäre jetzt das Konstruktivste? Existiert Denkfreiheit, gibt es Handlungsräume, da verliert Beleidigt sein an Einfluss. Seien wir aufrecht im Jahr 2023, gestehen wir uns unsere Grenzen und Kränkungen ein und lassen daraus eine Kraft erwachsen. Wenn Sie auf dem Gipfel einer Bergwelt stehen und von der Kraft der Schönheit berührt werden, lohnt es nicht diese Schönheit zu bewahren?

 

Tipping Points

Der bekannte englische Koch Jamie Oliver berichtete einmal, was ihn motiviere für gesundes Essen politisch aktiv zu sein. Antwort: Wenn jeder 2 Freunde begeistert öfter selbst zu kochen (= weniger FastFood) und die 2 Freunde wieder 2 Freunde begeistern … in kürzester Zeit entfache sich ein Kochboom ohne Gleichen. Exponentielles Wachstum ist schwer zu fassen, am ehesten greifbar in den viralen Phänomenen der Gegenwart. Social Media: Dieses Video ging viral! Es gibt eben auch im sozialen Miteinander Kipp-Punkte, die eine sich anbahnende Entwicklung plötzlich zu einer Massen-Bewegung dynamisieren. Dafür braucht es keine gesellschaftliche Mehrheit, sondern eine engagierte und hörbare Minderheit.

 

Tipping_points

 

Kipppunkte sind erreicht, wenn…

  • ....10% Finanzmarktinvestitionen aus dem fossilen Sektor umgeleitet werden in Richtung Grün
  • ....sich 25% der Bevölkerung mit eigenen Handlungen für die Klimawende engagieren

(Ilona M. Otto, Ganzheitliches Modell der Klimawende)

 

Die Konsequenz: Jedes Handeln zählt. Sei es noch so klein. Denn wir können niemals ausschließen, dass unserer Handlungen den Kipp-Punkt aktivieren. Es ist das Phänomen, wie aus kleinen Ursachen große Wirkungen entstehen. Es kommt auf uns an. Auf Sie und auf mich! 

 

Bildquelle 

Drew Hastings on Unsplash

 

Und hier die gesamte Perspektiven-Reihe:

Perspektiven (1) Die im Dunkeln sieht man nicht ...

Perspektiven (2) Wie ausgereift ist Ihre strategische Perspektive?

Perspektiven (3) Auf den Wertströmen Ihres Unternehmens

Perspektiven (4) Navigieren im Blindflug. Warum Vertrauen ein Wettbewerbsvorteil ist.

Perspektiven (5) Wer führt mein Unternehmen in der Krise wirklich?

Perspektiven (6) Wirk-Kräfte: Wie wir strategisch versiert die Transformation mitgestalten können.

 

 

Wir bei REFLECT versprechen Ihnen für das neue Jahr 2023 nicht das blaue vom Himmel. Wir „glauben“ an die blaue Zukunft: Es wird uns gelingen, die Ökologie mit regenerativer Wirtschaft zu verbinden. Und daraus entsteht eine Zukunft, die lebenswert ist und unseren Kindern wieder ein Versprechen. Wir werden Sie in diesem Jahr auf dem Weg in die regenerative Wirtschaft begleiten. Auf ein gelingendes Jahr mit Ihnen! Von der Berichtspflicht bis zum Geschäftsmodell. Wir unterstützen Sie gerne dabei!


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