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Die Generation Z: Voller Zukunftsängste und Sorgen?

Geschrieben von Ingo Kallenbach/Carolin Merz | 1.3.2023

 

Die Generation Z wurde von der Pandemie hart getroffen.

Eine Feldstudie von Deloitte (2020) zeigt, dass im Jahr 2020 fast 30 Prozent der Befragten aus der Generation Z ihren Job verloren hatten oder sich in vorübergehendem, unbezahltem Urlaub befanden. Wie wurde die Generation Z also von der Krise geprägt? Haben wir es mit jungen Menschen tun, die voller Sorge und Pessimismus in die Zukunft blicken? Das Gegenteil ist der Fall!

Aus der breit angelegten Studie (Deloitte, 2020) geht hervor, dass die Pandemie aus Sicht der Generation Z viele positive Aspekte mit sich brachte: Mehr Zeit mit der Familie und weniger Zeit mit Pendeln verbringen. Mehr Flexibilität im Alltag und Zeit, sich mit den „wirklich wichtigen“ Fragen (zum Beispiel zum Klimawandel) zu beschäftigen. Die Generation Z – die sowieso mit Technologie groß geworden ist – schaffte es dank dieser, sich auf neue und nachhaltige Weise miteinander zu vernetzen und sich somit während des Lockdowns weniger isoliert zu fühlen. Die Übersicht zeigt die Generationen aktueller Arbeitnehmender und Aspekte, welche die jeweilige Generation kennzeichnen.


Die Generation Z auf dem Arbeitsmarkt – „schwierig und faul“?

Während sich viele Arbeitgeber noch nicht optimal auf die Anforderungen der Generation Y (1980-1994) eingestellt haben, strömen ihre Nachfolger*innen bereits auf den Arbeitsmarkt. Es ist also keinesfalls zu früh, sich die Frage zu stellen: Was erwartet die Generation Z von Ihnen als Arbeitgeber?

Nehmen Sie sich kurz Zeit und beantworten Sie folgende Frage für sich: Welche typischen Merkmale verbinden Sie mit der Generation Z? Unter vielen Arbeitgebern gilt sie als „schwierig“, „anspruchsvoll“, „faul“, „undiszipliniert“ und „extrem fordernd“. Wir sagen: Einstellungen verändern sich und das ist gut so! Die Generation Z wünscht sich eine gute Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Familie, strebt nach persönlicher Freiheit, flexiblen Arbeitszeiten und möchte etwas Sinnvolles tun. Hier ähneln sich Generation Y und Z. Die Generation Z ist allerdings „traditioneller“ und knüpft dabei wieder an die Werte der Generation X (1965 – 1980) an. Sie wünscht sich eine stabile Familie, das klassische Eigenheim und einen sicheren Job.

Soziologen schreiben der Generation Z folgende typische Merkmale zu: Sie…

  • …blickt optimistisch in die Zukunft.
  • …ist gelassen hinsichtlich Karriere und Jobwechsel.
  • …strebt nicht nach materiellen
  • …sucht den Sinn in der Arbeit.
  • …nutzt auch beruflich soziale Netzwerke.
  • …ist weltoffen.
  • …will, dass der Beruf zur Persönlichkeit
  • …hat im Beruf den Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung.
  • …ist auf der Suche nach beruflicher Selbstständigkeit.

Die Angehörigen der Generation Z werden als „Digital Natives 2.0“ beschrieben. Ein Leben ohne Internet ist für sie nicht vorstellbar. Sie sind daran gewöhnt, eine „Flut“ von digitalen Informationen zu verarbeiten und zu nutzen. Virtuelle und reale Welt verschmelzen miteinander. Soziale Netzwerke, WhatsApp, Blogs und Foren sind selbstverständlicher Teil des alltäglichen Lebens.

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Attraktiver Arbeitgeber für die Generation Z: Welche Erwartungen haben die jungen Menschen?

Die Generation Z ist in einer Umwelt groß geworden, in der die Kinder im Mittelpunkt standen. Sie wurden im Familienkontext motiviert, gelobt, gefördert und in Entscheidungen einbezogen. Sie sind daran gewöhnt, dass ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden und sprechen diese offen aus.

Diese Hintergründe führen dazu, dass die Generation Z im Arbeitsalltag unabhängig sein will und selbstbewusst auftritt. Sie nutzt alle zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten auch in Bezug auf das Arbeitsleben, zeigt Neugierde und Offenheit und legt auch bei der Auswahl des potenziellen Arbeitgebers Wert auf Gesundheits- und Umweltbewusstsein. Dank dem „Darwiportunismus“ tragen viele Arbeitgeber heutzutage selbst ihren Teil dazu bei, dass sie bei Angehörigen der Generation Z stetig an Stellenwert verlieren. Dieses Phänomen wurde bereits 1999 durch den Universitätsprofessor Christian Scholz beschrieben und gewinnt in der aktuellen Diskussion um die Generation Z wieder mehr denn je an Bedeutung. Das Kunstwort wird genutzt, um zwei Tendenzen zu beschreiben (Scholz, 2003): Auf der einen Seite steht der Darwinismus in Unternehmen: Es bestehen nur diejenigen Arbeitnehmenden, die an ihre externen und internen Rahmenbedingungen am besten angepasst sind. Das bedeutet: Mitarbeitende müssen möglichst den unternehmensinternen Vorstellungen von Qualifikation und Leistungsbereitschaft entsprechen. Demgegenüber steht der Opportunismus der Mitarbeitenden: Sie handeln so, dass ihr eigenes Wohl im Mittelpunkt steht. Bietet sich eine bessere Möglichkeit zögern sie nicht, den Arbeitgeber unverzüglich zu verlassen. Aktuell trifft also eine selbstbewusste Generation Z – die nach sinnstiftender Arbeit sucht, sich persönlich entfalten will und nach Selbstständigkeit strebt – auf vielfach „darwinistisch“ geprägte Unternehmen, die an festgefahrenen Strukturen und Werten festhalten. Hier wird klar: Um die Gen Z zu begeistern, sind in Unternehmen neue Werte, Einstellungen und Verhaltensmuster gefragt.

Das bedeutet keineswegs, dass die Generation Z weniger Leistungswillen zeigt. Sie lässt sich nur durch andere Faktoren motivieren. Eine aktuelle Studie zeigt, welche Aspekte den jüngsten Arbeitnehmenden wichtig sind (The Adecco Group, 2022):

  • Lob und Anerkennung für gute Leistungen
  • Gute Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Eine Unternehmenskultur, die offen für neue Ideen und Konzepte ist
  • Nachhaltigkeit und soziales Engagement
  • Diversität, flache Hierarchien und Firmenevents
  • Ein krisensicherer Arbeitsplatz mit einem unbefristeten Vertrag
  • Selbstverwirklichung und der Wunsch, etwas Positives bewirken zu können
  • Spaß bei der Arbeit und ein angenehmes Arbeitsklima
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Wie kann die Generation Z gezielt angesprochen werden?

Um sich auch zukünftig Wettbewerbsvorteile sichern zu können, müssen Unternehmen Nachwuchstalente gezielt ansprechen und dabei vor allem auch auf digitale Medien zurückgreifen.

Hier sind unsere Praxistipps:

  1. Die klassische Bewerbung in Papierform ist längst überholt. Um sich zeitgemäß aufzustellen, sollten Sie Stellenangebote sowie den kompletten Bewerbungsprozess für den mobilen Zugriff Die Talente von Morgen wollen sich ad hoc und egal von wo per WhatsApp oder über andere soziale Netzwerke bewerben.
  2. Durch eine starke Arbeitgebermarke stechen Sie als Unternehmen hervor. Nutzen Sie Imagefilme auf Social Media (Twitter, Facebook, Instagram, LinkedIn & Co), auf Ihrer Karriereseite und in Ihren Stellenanzeigen. Denken Sie auch über die Möglichkeit nach, Influencer*innen einzusetzen, um Produkte und Dienstleistungen in modernem Stil zu bewerben.
  3. Die Generation Z schätzt es, direkt von Unternehmen auf offene Stellen angesprochen zu werden. Am liebsten per E-Mail, am zweitliebsten über LinkedIn oder Xing (The Adecco Group, 2022).
  4. Offene Stellen mit den richtigen Menschen zu besetzen ist für Sie als Unternehmen – nicht nur aus Kostengründen – von zentraler Bedeutung. Die Generation Z lässt sich besonders gut durch sogenanntes Recrutainment (auch Recruitainment) Darunter versteht man „das spielerische erlebbar-machen der Arbeitswelt und -kultur eines Unternehmens im Recruiting-Prozess“ (Landwehr, 2020). Durch moderne digitale Elemente (zum Beispiel Selbsteinschätzungstests oder Online-Games), erhalten Kandidat*innen Einblick in den möglichen zukünftigen Arbeitsalltag bei Ihnen. Sie als Unternehmen können umgekehrt etwas über die Vorstellungen und die Persönlichkeit der Bewerberin oder des Bewerbers erfahren: Eine Win-Win-Situation!
  5. Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung sind der Generation Z sehr wichtig. Kommunizieren Sie alle Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und Weiterbildung in Ihrem Unternehmen offen und transparent – und zwar nicht nur im Intranet (da haben Bewerber*innen nichts davon).
  6.  

 

Fazit

Die Generation Z macht einen immer höheren Anteil potenzieller Arbeitnehmender aus. Viele Arbeitgeber dagegen stecken noch in den starren und veralteten Strukturen sowie Denkweisen der Babyboomers oder Generation X fest – ein ganz klarer Widerspruch. Die jungen Talente kennen ihre Möglichkeiten und ihren Wert. Sie fordern selbstbewusst die von ihnen gewünschten Rahmenbedingungen, Gehälter und Aufgaben. Damit Ihr Unternehmen auch zukünftig für die besten Mitarbeitenden attraktiv ist, müssen Sie umdenken – und zwar schnell. Bereits im September 2020 haben wir dem Thema einen Blog-Beitrag gewidmet. Lesen Sie hier nach, wie Sie neben unseren Praxistipps aus der heutigen Notiz auch unser Modell der Gesunden Organisation nutzen können, um Ihre Organisation hinsichtlich der Bedürfnisse der Generation Z optimal aufstellen zu können.

 

Quellen

Deloitte (2020): https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/global/Documents/About-Deloitte/deloitte-2020-millennial-survey.pdf

Landwehr (2020): https://employer.it-talents.de/blog/recrutainment/

Scholz, C. (2003): Spieler ohne Stammplatzgarantie: Darwiportunismus in der neuen Arbeitswelt, Weinheim

The Adecco Group (2022). Arbeitswelt der Zukunft: Die Generation Z erobert den Arbeitsmarkt. https://www.adeccogroup.de/blog/arbeitswelt-der-zukunft-gen-z/

http://1v.com/darwiportunismus/ohne-stammplatzgarantie/#:~:text=Darwiportunismus%20ist%20ein%20von%20Univ,psychologischen%20Vertr%C3%A4gen%20in%20der%20Arbeitswelt.

https://www.agentur-jungesherz.de/generation-z/#:~:text=Aktuelle%20Studien%20zeigen%2C%20dass%20mit%20der%20sogenannten%20Generation,%E2%80%93%20aber%20auch%20vor%20neue%20Chancen%20und%20M%C3%B6glichkeiten.

https://arbeits-abc.de/generation-z/

 

Bildquelle

Shingi Rice auf Unsplash

 

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