Ingo Kallenbach

Humor als entscheidender Treiber erfolgreicher Teams

Es ist normal, dass nach Erfolgen wie nach Misserfolgen analysiert wird, welche Aspekte entscheidend für das jeweilige Erreichen waren. Im Mannschaftssport ist in dem Zusammenhang häufig von einem Typ Mensch die Rede, dessen Anwesenheit oder Abwesenheit entscheidend zum jeweiligen Erreichen beigetragen hat: die Stimmungskanone.

In welchem Ausmaß Thomas Müller oder Lukas Podolski den WM-Titel 2014 mit zu verantworten haben, sei dahingestellt, aber interessant ist, dass diese Annahme nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Sie wird in der Realität erlebt und wird seit ca. 20 Jahren auch wissenschaftlich belegt (Johnson, Boster & Palinkas 2003). So untersucht unter anderem die US-Weltraumbehörde für ihre bemannte Marsmission das Zusammenspiel in Gruppen.

Die Erkenntnis dabei ist erstaunlich: Ein erfolgreiches Team braucht einen Clown!

 

Humor als Wohlfühlfaktor

Humor wird in allen Kulturen und in jedem Alter beobachtet. Aber erst in den letzten Jahrzehnten hat die Psychologie ihn als ein grundlegendes menschliches Verhalten erklärt. Die Positive Psychologie, eine Disziplin, die untersucht, worin die Talente von Menschen liegen, stellt fest, dass Humor dazu beitragen kann, dass andere sich gut fühlen, eine größere Intimität erlangen oder Stress abbauen.

Die Wertschätzung des Humors korreliert dabei mit Stärken wie Weisheit und Lernfreude. Humor führt darüber hinaus zu einem gesteigerten emotionalen Wohlbefinden und Optimismus.

 

Humor als Bindefaktor

In jeder Gruppe gibt es unterschiedliche inoffizielle Rollen. Diese Rollen werden in anfänglichen Gruppenphasen unbewusst angenommen und besetzt. Während jemand eher die Rolle des Anführenden besetzt, belegt jemand anderes die Rolle eines Mahnenden und die dritte Person vielleicht die Rolle des Clown, des geselligen Geschichtenerzählers.

Mit Clown ist dabei nicht jemand gemeint, dessen Eigenschaften Oberflächigkeit und fehlende Fachkenntnis sind. Vielmehr sind Clowns für den Zusammenhalt und das Vereinen von Untergruppen zu einem großen Team entscheidend. Sie lösen humorvoll Spannungen und schaffen eine angenehme Atmosphäre.

 

Humor

Abbildung 1: Netzwerk des erfolgreichsten Nasa-Teams (Jeffrey C. Johnson / University of Florida)

 

Humor als Attraktivitätsfaktor

Die Menschen nähern sich normalerweise dem Vergnügen und vermeiden Schmerzen. Daher beeinflusst das Streben nach Humor unsere täglichen Entscheidungen - Websites, Bücher und Zeitschriften, die wir lesen, Fernsehsendungen und Filme, die wir sehen, und Menschen, mit denen wir uns unterhalten (oder eben auch nicht).

Und weil Humor von den Verbrauchern geschätzt wird, erstellen Unternehmen ständig lustige Werbeanzeigen und Produkte, um unsere Aufmerksamkeit zu erlangen und uns zu unterhalten.

 

Humor als kreativer „Push“-Faktor

Es überrascht nicht, dass humorvolle Menschen Aufmerksamkeit und Bewunderung erhalten. Ihre Fähigkeit, Humor zu kreieren und zu schätzen, beeinflusst, wer sich mit ihnen treffen oder befreundet sein möchte.

Die meisten Studien halten Humor deshalb für eine äußerst wünschenswerte Eigenschaft, was erklärt, warum die Abkürzung GSOH („good sense of humour“) in Online-Dating-Portalen seinen Einzug gehalten hat. Laut der Arbeit von Barbara Frederickson (2011) und anderen, die die Vorteile von Positivität untersuchen, ist Humor ein hervorragender Weg, um kreative Fähigkeiten zu steigern.

Schließlich glättet Humor potenziell spannungsgeladene soziale und kulturelle Interaktionen. Denken Sie darüber nach, wie viel einfacher eine unbequeme Situation sein kann, wenn man gemeinsam lachen kann.

 

Humor unterstützt beim Lernen

Humor hat auch eine lehrreiche Seite. So konnte nachgewiesen werden (Scheel & Gockel 2017), dass es beim Lernen hilft. Die meisten können sich noch immer an die witzigsten Pannen aus ihrer Grundschulzeit erinnern.

Die rationale Erklärung ist, dass Humor eine positive Reaktion in unserem kognitiven Gedächtnis auslöst und unser Gehirn dazu zwingt, sich daran zu erinnern, weil es ein positives Gefühl in uns entwickelt hat. Um es mit dem Hirnforscher Gerald Hüther sinngemäß zu formulieren: Wir lernen immer dann, wenn etwas unter die Haut geht.

 

Fazit

Teams sind insbesondere dann erfolgreich, wenn eine gesunde Mischung an Charakteren vorhanden ist. Der Gruppenclown kann hier eine entscheidende Funktion übernehmen, da er als Bindeglied und Stimmungskanone in einem Team fungiert und dadurch eine positive und kreative Atmosphäre schafft, in der erfolgreiches Arbeiten möglich wird.

Wenn Sie mehr über die „gesunde Organisation“, Teams oder unsere Workshops erfahren möchten, dann informieren Sie sich gerne zu unseren Leistungen in diesem Bereich oder kontaktieren Sie uns einfach.

 

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Literatur:

Fredrickson B. (2011). Die Macht der guten Gefühle: Wie eine positive Haltung Ihr Leben dauerhaft verändert. Frankfurt: Campus.

Johnson, J.C., Boster J. S. & Palinkas, L. A. (2003). Social roles and the evolution of networks in extreme and isolated environments. In: The Journal of Mathematical Sociology, 27, 89-121.

Scheel, T. & Gockel, C. (2017). Humor at Work in Teams, Leadership, Negotiations, Learning and Health. Basel: Springer International Publishing.

Zimmer C. (2013). Humor im Team. In: Lachen: 3× täglich. Top im Gesundheitsjob.  Berlin: Springer.