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Ingo Kallenbach

Die Frage nach dem Sinn im Unternehmen

Kennen Sie das? Der Arbeitsweg ist nicht zu lange, das Gehalt branchenüblich, die Kolleg*innen und Führungskräfte angenehm und die Arbeitsbelastung in Ordnung. Eigentlich passt alles, trotzdem schleppt sich in Deutschland beinahe jeder Vierte unmotiviert ins Büro (Gontek, 2020).

 

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Warum ist es essenziell, Sinn in der Arbeit zu sehen?

Es gibt viele Faktoren, die unsere Motivation beeinflussen. Die Motivation von außen über materielle Anreize wie Gehalt, Dienstwagen oder schickes Smartphone erweisen sich in der Praxis nur wenig wirksam, um langfristig die Motivation zu steigern. Wenn man den Sinn in der Arbeit nicht sieht, ist auch der neue Jobtitel nach zwei Monaten wieder vergessen.

Wichtiger ist für Mitarbeiter*innen oft, den Sinn in ihrem Schaffen zu sehen. Grundlage ist das im Menschen angelegte Bestreben nach Selbstverwirklichung. Dieser Wunsch nach Selbstverwirklichung und Sinnerfüllung kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn andere, grundlegende Bedürfnisse, wie z.B. Essen und Trinken, persönliche Sicherheit oder auch Nähe zu Anderen erfüllt sind. Dann stellen sich Menschen oft Fragen wie „Was ist mein höherer Sinn? Warum tue ich, was ich tue? Wozu will ich damit beitragen?“.

Finden die Arbeiternehmer*innen eine Antwort dafür in der eigenen Organisation, steigt auch die Leistung entsprechend. Deshalb liegt die Herausforderung von Entscheidungsverantwortlichen vor allem darin, Mitarbeiter*innen in Zeiten von VUCA bei der Entfaltung ihres Potenzials zu helfen. Die Rahmenbedingungen müssen entsprechend geschaffen werden, das das Potenzial entfaltet werden kann. Menschen kann man nicht von außen motivieren, man kann allerdings Rahmenbedingungen schaffen, die zur Motivation beitragen.

 

Welche Rolle spielt das Unternehmen dabei? Wie beantwortet es die Sinnfrage?

Menschen schaffen Wertschöpfung und entscheiden damit über Erfolg und Misserfolg des Unternehmens. Unmotivierte Mitarbeiter*innen, die nur wenig oder gar nicht intrinsisch motiviert sind, sind nicht nur öfter krank, sie kündigen auch deutlich schneller, erreichen eine geringere Kundenzufriedenheit und tragen wesentlich weniger zur Wertschöpfung der Organisation bei.

Darüber hinaus stehen Unternehmen einem Generationenwechsel gegenüber. Generations Y und Z arbeiten nicht mehr ausschließlich für Geld. Die Vergütung muss zur Position passen, keine Frage. Vor allem aber möchten sie in Unternehmen mit nachhaltigen Strukturen arbeiten und sich mit den Werten des Unternehmens identifizieren können.

Die Industrie 3.0 war – angetrieben durch den Shareholder-Value der 90er Jahre – sehr stark profitorientiert. Diese fokussierte Profitorientierung passt aus vielerlei Gründen nicht mehr zum Zeitgeist. Wir erleben deshalb einen Paradigmenwechsel hin zur Sinnorientierung.

Um entsprechend qualifizierte Menschen zu rekrutieren, sollten sich Unternehmen mit ihrem Purpose - also der Sinnfrage - auseinandersetzen. Der Sinn stellt substanzielle Fragen an die Unternehmen: Was würde der Gesellschaft fehlen, wenn Ihre Organisation nicht das machen würde, was sie macht? Was ist der ureigene Sinn und Zweck des Unternehmens? Welchen Beitrag leistet das Unternehmen dadurch für die Gesellschaft und die Umwelt?

Hier sinnvolle Antworten zu finden, die authentisch, glaubhaft und stimmig sind, ist für Organisationen einer der wichtigsten Meilensteine in einem Transformationsprozess. Das kann richtig viel Arbeit machen, kann aber in einem Prozess, in welchem möglichst viele Mitarbeiter*innen beteiligt sind, zu einem tieferen Verständnis der Organisation führen. Außerdem kann der tiefere Sinn einer Organisation den Mitarbeiter*innen Orientierung geben und so positiv auf die intrinsische Motivation wirken.

 

Warum sind sinngeführte Unternehmen erfolgreicher?

 

Mitarbeiter*innen identifizieren sich mit dem Unternehmen

Der Effekt von Purpose auf die Produktivität und den Erfolg von Mitarbeiter*innen ist belegt. Sinn-orientierte Mitarbeiter*innen zeigen höheres Engagement und beschreiben ihren Job als erfüllender. Sie übertreffen ihre Kolleg*innen in jeder Hinsicht, von der Bindungsdauer ans Unternehmen, der Kundenzufriedenheit bis zu ihren Führungsfähigkeiten (Studie LinkedIn).

 

Loyale Kunden, die auf einen nachhaltigen Konsum achten

  • Der Purpose betrifft aber bei Weitem nicht nur die Mitarbeiter*innen im Unternehmen. Viele Verbraucher beleuchten ihren Konsum zunehmend kritischer. Wir erleben diesen Wandel in der Lebensmittelindustrie, aber auch schon seit längerem in der Fashion- und Automobilindustrie.

Gerade traditionelle Firmen sehen diesem Wandel mehr oder weniger hilflos zu. Durch die Digitalisierung ist ein Vergleich einfach, die Konkurrenz ist global. Sinn, Transparenz und Nachhaltigkeit sind daher die Treiber, um sich langfristig einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

 

Identifikation der Community

„Think globally, act locally“ – Unternehmen sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Sie tragen die Wirtschaft, fördern Infrastruktur, bieten Menschen einen Arbeitsplatz und dadurch Wohlstand, Auskommen und Sicherheit. Das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und ein positives Image zu schaffen, beginnen schon in der Nachbarschaft.

Sieht ein Unternehmen seinen Sinn nicht nur darin zu überleben, sondern betrachtet sich als Teil der Gesellschaft, das für diese einen wesentlichen Beitrag leistet, kann dieser Sinn bis vor die Haustür bzw. über den Werkzaun spürbar werden. Viele Unternehmen öffnen sich der direkten Nachbarschaft und werden so Teil einer übergreifenden Community. Wir sehen das an Betriebskitas, Sportstätten oder auch Kantinen, die sich für die Allgemeinheit öffnen. Die Verbundenheit miteinander wird dadurch gestärkt und der Purpose kann aktiv erlebt werden.

 

Fazit:

Die Frage nach dem Sinn in Unternehmen wird nicht nur von Mitarbeiter*innen, sondern auch von Konsument*innen und der Gesellschaft als Ganzes gestellt. Unternehmen, die allein auf Profit ausgerichtet sind, werden zunehmend scheitern. Purpose fängt im Innern an, trägt sich aber bis nach außen in die Gesellschaft.

Wir möchten Sie deshalb anregen, über folgende Fragen nachzudenken: Welchen Wertbeitrag leistet Ihre Organisation für Umwelt und Gesellschaft? Wie stark ist das den Mitarbeiter*innen Ihres Unternehmens bewusst? Mal angenommen, Sie hätten einen starken Purpose, den alle Mitarbeiter*innen wirklich leben würden, was würde sich dadurch verändern?

In den letzten Jahren konnten wir viele Erfahrungen sammeln, wie entsprechende ganzheitliche Transformationsprozesse in Unternehmen umgesetzt werden können. Die Suche und Formulierung nach dem unternehmenseigenen Purpose ist dabei genauso wesentlich wie ein menschzentrierter, partizipativer Entwicklungsprozess. Gerne unterstützen wir Sie bei der erfolgreichen Gestaltung eines solchen Prozesses. Kontaktieren Sie uns unverbindlich und lassen Sie uns über eine für Sie passende Vorgehensweise in Ruhe sprechen.

 

Jetzt handeln und Purpose im Unternehmen etablieren

Sie möchten Ihr Unternehmen nach vorne bringen? Wir bieten umfassende Angebote für Unternehmen, die ihre Potenziale voll ausschöpfen und eine nachhaltige Unternehmenskultur etablieren möchten:

Workshop: Potenzialmanagement – Wie Sie aus desinteressierten Mitarbeitern engagierte Mitstreitende machen


 

Quellen:

Gontek, F. (10.03.2020) „Deutschland ist Frustweltmeister“ erschienen bei Spiegelonline

Linkedinstudie „2016 Global report: Purpose at work“ aufgerufen unter diesem Link