Ingo Kallenbach

Positiv Führen in der Gesunden Organisation (3/7)

In dieser dritten Notiz der Serie „Führen in der Gesunden Organisation“ (siehe Abbildung) beleuchten wir, was wir unter Positiv Führen verstehen, welche Erfahrungen und wissenschaftlichen Hintergründe für diese Art von Führung sprechen und wie man Positiv Führen kann.Gesunde Organisation Positive Leadership Positiv Fuehren 3.png
Die Beziehungen zu anderen Menschen im Berufsleben sind durch Internationalisierung, Digitalisierung, Verflachung von Hierarchien, Matrixorganisationen vielfältiger und dynamischer denn je geworden. Nicht nur mit Kollegen, Mitarbeitern, Führungskräften, internen Kunden im eigenen Haus sind wir im ständigen Austausch, sondern auch mit externen Kunden, Zulieferern, Behörden, Firmenpartnern, Dienstleistern. Im Rahmen einer Gesunden Organisation sollten diese Beziehungen positiv gestaltet werden. Positiv im Sinne von fair, wertschätzend, die eigenen und die Interessen des Gegenübers berücksichtigend, letztlich zum Wohle der Gesellschaft. Idealistisch? Sicherlich, aber - das ist unsere feste Überzeugung - langfristig durchaus sinnvoll. In zahlreichen Experimenten der Verhaltensökonomik hat sich ein solches Kooperationsmodell als erfolgreich erwiesen („tit for tat“ - Strategie). Allein, die Welt sieht manchmal anders aus, Beispiele gibt es täglich in den Nachrichten bis in höchste Ebenen, s. aktuell der Machtkampf bei VW. Die Herausforderung ist dann, bei den eigenen Werten, Grundsätzen und Überzeugungen zu bleiben, auch wenn andere unfair spielen. Bedeutet nicht, alles mitzumachen und zu ertragen. Ganz im Gegenteil: Klare Erwartungen aufzeigen, auf Konsequenzen hinweisen und diese dann auch umsetzen. Werteorientiertes Handeln wird zur Grundorientierung und zum Leistungskriterium, das entsprechend honoriert wird. Dazu ist ein authentischer, respektvoller und glaubwürdiger Umgang erforderlich. Soziale, kommunikative und empathische Fähigkeiten sind gefragt. Führungshandeln im Rahmen des sog. „Positive Organisational Behaviour“ (Avey et al. 2011) als Folge von „Positive Leadership“ (Cameron 2012, Tugade et al. 2014) auch Transformationale und Transaktionale Führung (Bruch & Fischer 2014) belegen die Vorteile auch mit nachhaltigen Gewinnen.
 

Zusammenfassung für die „Positive Leadership“

Zusammengefasst haben sich die folgenden Verhaltensweisen als günstig und wirkungsvoll erwiesen. Wie immer bei diesen „Rezepturen“ gilt: Situative, rollenbezogene und persönliche Aspekte erfordern manchmal ein anderes Maß der Zubereitung und der individuellen Dosis.
  • Reflektieren Sie Ihre Grundhaltung anderen gegenüber. Sehen Sie andere auf Augenhöhe - „Ich bin okay, Du bist okay“ - oder machen Sie diese insgeheim klein - „Ich bin okay, Du bist nicht okay“ - oder machen Sie sich selbst klein - „Du bist okay, ich bin nicht okay.“?
  • Agieren Sie - soweit möglich - vorbildlich.
  • Gehen Sie authentisch, respektvoll und achtsam mit anderen um, unabhängig von deren Status, Herkunft oder Bildungsstand.
  • Machen Sie anderen Ihre Erwartungen kristallklar.
  • Begegnen Sie anderen immer vertrauensvoll und mit Kooperationsbereitschaft. Handeln Sie konsequent, wenn Ihr Gegenüber nicht kooperiert. Geben Sie eine zweite Chance, wenn Ihr Gegenüber wieder fair spielt.
  • Verhalten Sie sich auf der Grundlage Ihrer Werte und Überzeugungen. Bleiben Sie diesen auch in schwierigen Situationen treu.