Ingo Kallenbach

Gesunde Organisation: „Menschlichkeit rechnet sich“

Die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit der Gesunden Organisation

Mit ihrem Buch „Menschlichkeit rechnet sich“ zeigen Stephan Brockhoff und Klaus Panreck auf, wie sich wertschätzende Unternehmenskultur und positive Beziehungen wirtschaftlich auszahlen. Damit erweisen sie der modernen Organisationsentwicklung einen großen Dienst: Zum einen untermauern sie humanistische Organisationsformen und menschenzentrierte Entwicklungsansätze mit einer finanziellen Argumentation, zum anderen nehmen sie Anhängern der „alten Management-Welt“ den Wind aus den Segeln. Denn: Menschlichkeit rechnet sich – auch finanziell. Die Reduktion von Rationalisierung und autoritärer Hierarchie kann sich positiv auf Ihre Bilanz auswirken.

 

Eine gewagte Gleichung: Menschlichkeit = Geld

Zugegeben, der Ansatz von Brockhoff und Panreck ist gewagt. Die beiden Steuerberater beherrschen Zahlen und Gleichungen mühelos. Doch für manch einen mag allein der Titel des Buches bereits stark utilitaristisch klingen. Wäre es noch eine humanistische Ethik, wenn der Einsatz von Menschlichkeit lediglich dem Zwecke der Gewinnmaximierung diene? Wohl kaum. Dessen sind sich auch die Autoren bewusst. Ihre Ausführungen zu Menschlichkeit, Sinn und Werteorientierung in Unternehmen zeigt: Die beiden meinen es ernst mit der Menschlichkeit; die Auseinandersetzung mit menschlichen Potenzialen und Bedürfnissen ist weder oberflächlich, noch utilitaristisch. Dennoch gelingt es Brockhoff und Panreck, die Umsetzung eines humanistischen Arbeitsumfelds mit einer betriebswirtschaftlichen Rationalität zu paaren. Die Rechnung geht auf, denn das Buch hilft hoffentlich dabei, diejenigen zu überzeugen, für die ein Unternehmen immer noch ein abstraktes, emotionsloses, ökonomisches Gebilde ist, und eben nicht eine Wertegemeinschaft, bestehend aus subjektiven, relationalen, emotionalen und engagierten Menschen. Daher halten wir fest: Wenngleich die Verbindung von Menschlichkeit und betriebswirtschaftlichem Gewinnstreben eine Objektivation von Menschen und menschlichen Gemeinschaften, ergo Unternehmen, riskiert, erscheint es sinnvoll, den „Business Case“ für Menschlichkeit klarzustellen. Es kann nur gehofft werden, dass aus dem wichtigen Impuls des Buches eine sinnorientierte humanistische Bewegung entsteht, und eben nicht ein rationalisierender und objektivierender Umgang mit dem Faktor „Menschlichkeit“ als unternehmerischer Goldesel.

 

Das große Einmaleins der Menschlichkeit – Warum sich Wertschätzung rechnet

Menschlichkeit ist betriebswirtschaftlich sinnvoll, denn der Aufbau eines wertschätzenden Umfelds wirkt sich positiv auf Faktoren aus, die sich direkt in der Bilanz widerspiegeln. Dies zeigt das Buch anhand mehrerer anschaulicher Beispiele auf.

„Ein menschlicher Umgang innerhalb eines Unternehmens, ein respektvolles, wertschätzendes, authentisches Miteinander führt zu zufriedenen Mitarbeitern. Und zufriedene Mitarbeiter sind die Grundvoraussetzung für den betriebswirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, denn zufriedene Mitarbeiter sind motivierter, sind seltener krank, denken kreativer und schaffen so echte Innovation, bleiben dem Unternehmen treu“ (Brockhoff & Panreck, 2016, S. 111).

So führt – laut Brockhoff und Panreck – Menschlichkeit letztlich zu Effizienz statt innerer Kündigung, Engagement statt Krankenstand, emotionaler Verbundenheit statt Personalfluktuation, einem starken Image in der Gesellschaft und effektivem Marketing durch zufriedene Mitarbeiter statt zu Kundenabwanderung.

In einer aufwendigen Rechnung zeigen die Autoren dann auf, wie die Wertschöpfung einer menschlichen Unternehmensführung bemessen werden kann. Den Kosten für Personal, Fortbildung, Rekrutierung, Events und andere Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsumfelds und der Gesundheit stehen verringerte Fluktuation, Krankheitstage und Überstunden sowie mehr Initiativbewerbungen, mehr umgesetzte Ideen und mehr Fortbildungstage sowie höhere Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit gegenüber.

 

Von der Rechnung in die Tat

Im dritten Teil ihres Buches, stellen Brockhoff und Panreck ausführlich dar, wie Menschlichkeit implementiert, bemessen und verbessert werden kann. Die konkreten Umsetzungshinweise sind sehr praxisorientiert und ermöglichen es, die Konzepte des Buches direkt in die Tat umzusetzen. Die Autoren schlagen mit der „Menschlichkeitsbilanz“ ein Vorgehen nach den folgenden sieben Schritten vor. Diese sollten von einem Projektteam, bestehend aus Führungskräften und Mitarbeitern, systematisch und nachhaltig angegangen werden.

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 Abbildung: 7 Schritte der Menschlichkeitsbilanz nach Brockhoff und Panreck (2016)

 Fazit:

„Menschlichkeit rechnet sich“ ist lesenswert – nicht nur für diejenigen, die einen finanziellen Anreiz für die Einführung einer gemeinschaftlichen und werteorientierten Arbeitskultur benötigen, sondern auch für Vordenker und Potenzialentfalter, die nach Methoden, Techniken und Umsetzungsvorschlägen suchen, um eine Kultur der Menschlichkeit in der Unternehmenspraxis implementieren zu können. Mit ihrer unkonventionellen Denkweise, der Verbindung von Mensch und Profit, unterstützen Stephan Brockhoff und Klaus Panreck die Bewegung in eine humanistischere Arbeitswelt und bieten knallharte Argumente für die als „soft“ verschrienen Themen Menschlichkeit, Wertschätzung und humanistische Führung. Auch unsere Konzepte der Gesunden Organisation und der Balancierten Führung erhalten durch das Buch ein weiteres starkes finanzielles Argument. Es gibt keine Ausreden mehr – der Aufbruch in eine menschlichere Unternehmenszukunft ist sinnvoll – menschlich, politisch, gesellschaftlich…und eben auch wirtschaftlich.

 

Literaturverzeichnis

Brockhoff, S., & Panreck, K. (2016). Menschlichkeit rechnet sich. Warum Wertschätzung über den Erfolg von Unternehmen entscheidet. Frankfurt am Main: campus Verlag.

Kallenbach, I. (2016). Führen in der Gesunden Organisation: Außergewöhnliche Leistung durch Potenzialentfaltung. Stuttgart: Schäffer Poeschel.