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Ingo Kallenbach

Generation Y: "Digital Natives" oder digital naiv?

Die Generation Y ist irgendwie ganz anders. Ihre „Mitglieder“ werden als „Digital Natives“ bezeichnet und verfolgen Werte wie Selbstverwirklichung, Freiraum für Privates und Vernetztsein. Die Führungsebenen und HR-Manager entwickeln neue Arbeitszeitmodelle, um die Generation Y mit flexiblen Arbeitszeiten und individuellen Freiheiten im „permanent beta“ möglichst effektiv einzusetzen und dabei die Erholung und Regeneration, aber auch Kreativität zu gewährleisten.

IT-Systeme machen es möglich, dass Karriere, Familie, Hobbys nicht zu kurz kommen. Und gerade die Generation Y – als die immer mehr Verantwortung übernehmende Altersgruppe – treibt die Digitalisierung voran. Das ist ihr Gebiet, da kennen sie sich aus.

Gerade deshalb ist es umso erstaunlicher, dass eine repräsentative Studie der Universität Augsburg und der Fraunhofer Projektgruppe Wirtschaftsinformatik herausfanden, dass die Gen Y am meisten von der Digitalisierung am Arbeitsplatz gestresst sei.

Was sind mögliche Gründe hierfür und wie ist diese „digitale Ermüdung“ vermeidbar?

Was ist digitale Ermüdung?

Während Mobiltelefone ursprünglich für das Telefonieren für unterwegs entwickelt wurden, geht aus einer Umfrage von Deloitte (2016) hervor, dass ein Drittel der Smartphone-Nutzer überhaupt keine herkömmlichen Sprachanrufe mehr tätigt.

Stattdessen werden unsere Telefone als mobile Computer verwendet, um E-Mails zu lesen, online einzukaufen, auf Nachrichten zuzugreifen, Musik und Videos herunterzuladen, soziale Medien zu nutzen, Lebensmittel zu bestellen, Karten anzusehen… die Liste ließe sich nahezu unendlich fortsetzen.

Wir haben das Internet buchstäblich immer in der Tasche und können scheinbar auf Knopfdruck die Antwort auf jede Frage finden. Das anhaltende Piepen, Vibrieren und Blinken von Benachrichtigungen führt dazu, dass wir ständig abgelenkt und getrieben werden, um zu unterbrechen, was wir tun, um unsere Telefone zu überprüfen.

Aber während diese Fortschritte in der technologischen Funktionalität und im Zugang erstaunlich sind - sie haben einen Preis: Die digitale Ermüdung.

Digitale Ermüdung ist die Folge einer Überlastung der menschlichen Kognition mit digitalen Informationen und Eindrücken. Diese lösen bei betroffenen Personen Symptome wie Stress, schnelle Ermüdung, Konzentrationsstörungen und Gereiztheit aus und wirken sich so negativ auf das menschliche Wohlbefinden aufgrund der enormen Nervensystemüberflutung aus.

 

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Woran liegt es, dass „digital stress“ auftritt? Keine Work-Life-Balance

Einer der Gründe für das Gestresstsein von der Digitalisierung am Arbeitsplatz ist das, was von der Gen Y immerzu eingefordert wird: das Streben nach Work-Life-Balance.

Während es in der Vergangenheit oft eine klare Grenze zwischen dem Ende der Arbeitszeit und dem Beginn des Privatlebens gab, ist dieser Bereich heutzutage mehr als grau. Die meisten von uns haben ihre geschäftlichen E-Mails auf ihren Handys, so dass wir ständig erreichbar sind. Dies macht es schwerer denn je, sich jemals wirklich von der Arbeit zu lösen und zu entspannen.

 

  1. „Fear of Missing out (FOMO)“

Die Angst, etwas zu verpassen, basiert im Wesentlichen auf der sozialen Angst, etwas zu verpassen. Was potenziell verpasst wird, ist breit gefächert: Eine Veranstaltung, ein Job, ein gesellschaftliches Ereignis, aktuelle Nachrichten oder Verbindungen zu anderen Personen.

Wir möchten miteinander verbunden sein - für alle Fälle. Um dies zu testen, fragen Sie einfach Ihre Freunde und Familie, ob diese jemals in Betracht gezogen haben, aus den sozialen Medien auszusteigen. Die Mehrheit wird sich vermutlich für ein „Nein“ entscheiden.

 

  1. Fehlende Kompetenz

Nicht alleine der Digitalisierungsgrad des Arbeitsplatzes ist für das Ausmaß an digitalem Stress ausschlaggebend, sondern vielmehr das Ungleichgewicht zwischen den Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien einerseits und den Anforderungen, die diese an die Beschäftigten stellen, andererseits. Interessanterweise betrifft genau das die Gen Y am deutlichsten.

Wie können wir „digital stress“ vorbeugen? Unsere 5 Empfehlungen:

Um digitale Erschöpfung zu vermeiden, sind einige Aspekte besonders wichtig:

Digital Leadership – Unternehmen sollten dringend die digitale Kompetenz ihrer Führungskräfte schulen, damit diese wiederum ihren Mitarbeitenden eine produktive Atmosphäre für die digitalen Anforderungen ihres Arbeitsplatzes ermöglichen.

Feste Regeln - Teilen Sie Ihren Kollegen und Kolleginnen mit, dass Sie nach einer bestimmten Zeit nicht mehr erreichbar sind, schalten Sie Ihr Telefon und Ihren Computer aus und nehmen Sie sich jeden Abend Zeit, um sich zu entspannen.

Wenn es notwendig ist (oder Sie das auch wollen), Ihre Nachrichten außerhalb der Arbeitszeit zu lesen, versuchen Sie zumindest, sie seltener zu lesen, und nehmen Sie sich bewusst Zeit, wenn Ihr Telefon ausgeschaltet ist.

„Face time“ – Führen Sie wichtige Gespräche von Angesicht zu Angesicht. Da sich viele von uns daran gewöhnt haben, sich auf Technologien zu verlassen, anstatt sich persönlich zu treffen, wird mehr Zeit für unmittelbare Gespräche auch dazu beitragen, Ihre Beziehungen zu stärken.

Kontrolle - Versuchen Sie, sich an das zu halten, was Sie nützlich finden, und fühlen Sie sich nicht unter Druck, mit den jeweiligen Trends Schritt zu halten.
Aufgrund der Informationsflut ist es einfach nicht möglich, immer über alles Bescheid zu wissen oder alles zu kennen. Reflektieren Sie Ihre Einstellung und Glaubenssätze hinsichtlich der „always on“ Mentalität und entwickeln Sie so eine Haltung, die ein selbstbestimmtes Leben statt eines „Getrieben-werdens“ ermöglicht.

15-Minuten-Konzentration - Eine praktische Übung, die sich an jedem Arbeitsplatz zur Stärkung der Konzentrationsfähigkeit bewährt:

Man schafft sich einen überschaubaren festen Arbeitsort, wählt eine feste Zeit und nimmt sich für 15 Minuten vor, eine einzige Aufgabe (z.B. Ablage, Mails beantworten) oder mehrere ähnliche Aufgaben (Belege sortieren, Rechnungen schreiben, Telefonate vorbereiten etc.) ganz konsequent und ohne jegliche Ablenkung durchzuführen.
Alle einschießenden und ablenkenden Gedanken werden bemerkt, aber nicht umgesetzt.

Fazit

Digitale Ermüdung ist ein großes Thema. Vor allem die Gen Y scheint laut Studien (Henner, Gimpel et al., 2018) überfordert zu sein. Abhilfe schaffen kann vor allem der Fokus auf die digitale Kompetenz in Organisationen, um eine gesunde Organisation im Zeitalter der Digitalisierung, der niemand ausweichen können wird, zu ermöglichen.

 

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Literatur:

Henner, Gimpel et al. (2018). Digitaler Stress in Deutschland. Eine Befragung von Erwerbstätigen zu Belastung und Beanspruchung durch Arbeit mit digitalen Technologien. Hans-Böckler-Stiftung. Düsseldorf