Ingo Kallenbach

Führen in der agilen Welt (1)

Das Konzept der Agilität und wie Sie die Entwicklung Ihres Unternehmens zur agilen Organisation erfolgreich umsetzen

In seinem Ursprung stammt das Konzept der Agilität aus der Softwareentwicklung. Agile Methoden, wie beispielsweise „Scrum“, stehen dort schon seit langem auf der Tagesordnung. Auch jenseits der IT-Branche gewinnen agile Prozesse als Führungs- und Organisationsprinzip zunehmend an Bedeutung und erobern allmählich die gesamte Unternehmenswelt.

Mit diesem Beitrag, welcher die wichtigsten Aspekte des Agilität-Konzeptes zusammenfasst, starten wir mit unserer Serie „Führen in der agilen Welt“. In weiteren Beiträgen werden wir Ihnen die Charakteristiken und Rahmenbedingungen der praktischen Anwendung von verschiedenen, agilen Methoden vorstellen.

Das Konzept der Agilität - was steckt dahinter?

Im Allgemeinen wird unter dem Begriff der Agilität die Fähigkeit verstanden, schnell und effektiv auf Veränderungen zu reagieren. Im Unternehmenskontext beschreibt Agilität ein ganzheitliches Führungs- und Organisationprinzip, dass Unternehmen dazu befähigen soll, sich kontinuierlich an ihre komplexe und unbeständige Umwelt (Stichwort VUCA) anzupassen, also auf die sich permanent verändernden Marktbedingungen proaktiv zu reagieren.

Im „agile Manifesto“ haben unter anderem Ken Schwaber und Jeff Sutherland, Erfinder des Projektmanagement-Systems „Scrum“, grundlegende Leitgedanken einer agilen Softwareentwicklung formuliert. Beispielsweise zur agilen Projektarbeit heißt es: „Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen." Diese und andere Grundsätze dienen als Vorlage der heutigen agilen Methoden, Projekt-Tools und New-Work-Konzepten.

Das Unternehmen sipgate gilt als einer der Vorreiter für die Integration von agilen Methoden in die alltägliche Arbeitspraxis. Der „Open Friday“, der alle 14 Tage als eine Art Konferenztag unter der Regie der Mitarbeiter durchgeführt wird, ist als eines von vielen typischen Beispielen zu nennen. Zusammengefasst steht Agilität für ein iteratives Vorgehen, eine laterale Führung, die interdisziplinäre und crossfunktionale Teamarbeit sowie die organisierte Selbstverantwortung der Mitarbeiter.

 

Was zeichnet eine agile Organisation aus?

Agile Organisationen sind im allgemeinen durch flache Hierarchien, crossfunktionale Teams, Netzwerkstrukturen und dem Einsatz von agilen Methoden gekennzeichnet. Die praktische Arbeitsweise in agilen Unternehmen wird durch ein iteratives Vorgehen bestimmt, dass eine starke Orientierung am Kunden miteinschließt.

Beim iterativen Vorgehen werden durch kurze und überschaubare Planungs- und Umsetzungszyklen prototypische Vorabergebnisse erzeugt, die in weiteren Zyklen nach und nach an die konkreten (und sich im Laufe des Prozesses auch oft verändernden) Kunden- und Marktbedürfnisse angepasst. Dieses sogenannte prototyping erlaubt durch ein kontinuierliches Überprüfen und Verbessern des Produkts eine Korrektur potenzieller Fehler bereits im Frühstadium.

Die Netzwerkstrukturen und crossfunktionalen Teams der agilen Organisation verlangen ein hohes Maß an Selbstorganisation und Selbstverantwortung der einzelnen Arbeitsgruppen und Mitarbeiter. Grundlegend hierfür ist eine Unternehmenskultur, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht und sowohl die Kompetenzen der einzelnen Mitarbeiter als auch der Teams fördert. Die erfolgreiche Entwicklung von der klassischen zur agilen Organisation ist damit im hohen Maß bestimmt durch die Etablierung einer offenen Feedback- und Fehlerkultur, die eine Kommunikation auf Augenhöhe und die Transparenz von Entscheidungen voraussetzt.

 

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Führungskräfte als Schlüsselelement der Agilität

Vor allem die Führungskräfte tragen in besonderem Maß zum Grad der Agilität eines Unternehmens bei, da sie die vorherrschenden Verhaltensweisen und damit die Unternehmenskultur prägen. Um agile Prozesse zu fördern und der erfolgreichen Entwicklung von der klassischen zur agilen Organisation den Weg zu ebnen, ist ein mitarbeiterzentriertes Führungsverständnis von essentieller Bedeutung:

Die Einführung agiler Methoden verlangt von den Mitarbeitern eine zunehmende Verantwortung- und Entscheidungskompetenz. Im Gegensatz zu klassischen Unternehmen, in denen die Verantwortung von einer disziplinarischen Führungskraft übernommen wird, wird in der agilen Organisation diese gleichermaßen auf die  Mitarbeiter übertragen. Führungskräfte und Mitarbeiter werden damit vor die Herausforderung gestellt, ihre herkömmlichen Rollen zu konfigurieren, sowie ihre Arbeitsweisen und ihr Denken anzupassen.

Das Führen in der agilen Welt verlangt ein innovatives Führungsverständnis, das im Wesentlichen als lateraler Führungsstil umschrieben werden kann. Das agile Management oder das„agile Leadership“ zielt darauf, Verantwortung an die Mitarbeiter abzugeben und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. In erster Linie ist es die Aufgabe der Führungskraft, für ihre Mitarbeiter die grundlegenden Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein agiles Arbeiten ermöglichen.

Das agile Arbeiten stellt in diesem Kontext das Ergebnis und nicht den Prozess in den Mittelpunkt. Den Mitarbeitern sollte möglichst viel Spielraum für Kreativität und Innovation gegeben werden, um Lösungswege in Eigenregie erarbeiten zu können. Um diese Ziele zu erreichen und ein agiles „Mindset“ zu etablieren, ist ein enormes Fingerspitzengefühl von der Führungskraft gefragt, da die Mitarbeiter sowohl auf neue Abläufe als auch auf ein höheres Verantwortungslevel vorbereitet werden müssen.

 

Agile Methoden in der Praxis – Zahlen und Fakten

Agile Methoden und agile Prozesse werden durch ein iteratives Vorgehen gekennzeichnet. Sie fokussieren dadurch kurzfristige Ergebnisse und ermöglichen somit eine schnelle Anpassungsfähigkeit an neue Rahmenbedingungen. In einer Studie der Hochschule Koblenz wurden der Erfolg und die Anwendungsformen von agilen Methoden untersucht (2017). Als Hauptmotive für die Einführung dieser Methoden wurden die Optimierung der Produkteinführungszeit, der Qualität und der Reduzierung des Risikos genannt. Über 90% der Teilnehmer bewerteten die Verbesserungen durch die Anwendung von agilen Methoden deutlich höher als der Aufwand bei deren Implementierung.

Von den Befragten wird ebenso die Erfolgsquote agiler Methoden positiver bewertet als die des klassischen Projektmanagements. Der Ertrag der Einführung von agilen Methoden ist somit deutlich höher als dessen Kosten und führt nachhaltig zu einem größeren Unternehmenserfolg. Im Jahre 2017 nutzten bereits 20% der Befragten durchgängig agile Methoden in der täglichen Arbeitspraxis. Fast 70% bedienten sich vereinzelt oder regelmäßig der agilen Methoden neben denen des klassischen Projektmanagements. Nur knapp 12% nutzen weiterhin  ausschließlich die Methoden des klassischen Projektmanagements.

Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass sich die agilen Methoden weiterhin auf dem Vormarsch befinden und auch in der Zukunft die Entwicklungsprozesse der Unternehmen maßgeblich mitbestimmen werden.

(redaktionelle Umsetzung: Corinna Brucker)

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                                                              Studie                                                        Das agile Manifesto

 

 

Weitere Blog-Beitrage aus der Serie "Führen in der agilen Welt":

Führen in der agilen Welt (1): "Das Konzept der Agilität"

Führen in der agilen Welt (2): "Working out loud"

Führen in der agilen Welt (3): "Scrum"

Führen in der agilen Welt (4): "Barcamps"

Führen in der agilen Welt (5): "Retrospektive"

Führen in der agilen Welt (6): "Peer-Feedback"

Führen in der agilen Welt (7): "Transparenz"

Führen in der agilen Welt (8): "Delegation Poker"

Führen in der agilen Welt (9): "Crossfunktionale Teams"

Führen in der agilen Welt (10): "Face Time"

 

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