Ingo Kallenbach

Digitaler Wandel auch in Ihrem Unternehmen?

Das Digitale und das Analoge mag in vielen Köpfen noch nicht immer zusammenpassen. Ähnlich wie in der Musik, scheinen überzeugte Vinyl-Liebhaber/innen (Für alle „digital natives“: Das sind die runden Scheiben genannt „Schallplatten“) in einem anderen Kosmos zu leben wie CD-Afficionados (Das sind die kleinen silbernen Scheiben…) oder gar Streaming-Kunden/innen („mp3“ genannt ohne Scheibe…).

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Der digitale Wandel, hervorgerufen durch eine immer stärker vernetzte Welt, in der Chips mit Chips, Geräte mit Geräten und Maschinen mit Maschinen direkt kommunizieren und interagieren, ohne dass es dazu menschlichen Handelns bedarf, macht Menschen Angst. Die Zahl vom drohenden Verlust von 5 Millionen Arbeitsplätzen wirkt verständlicherweise erschreckend. Die USA scheinen einmal mehr meilenweit voran zu sein. Die digitale Transformation gilt als einer der wichtigsten Zukunftsthemen in den kommenden Jahren.

Allein: Die schier unglaublichen Veränderungen, die mit Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge („IoT“) einhergehen werden, sind längst noch nicht in der Unternehmenswelt angekommen. In der inzwischen zum 5. Mal durchgeführten Studie von Hays und dem Institut für Beschäftigung und Employability (was für ein gruseliger Denglisch-Mix) von Prof. Jutta Rump wird das deutlich. In der Befragung von 523 HR’lern gaben nur 16% an, dass die digitale Transformation ein wichtiges Thema der Zukunft sein. Spitzenreiter war mit 41% die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur, gefolgt von Mitarbeiterbindung (38%) und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit (34%).

Dabei wird nach Meinung der Autoren - und dies völlig zu Recht - übersehen, dass digitaler Wandel nicht nur mit der Einführung neuer Technologien und digitaler Prozesse zu tun hat, sondern vor allen Dingen auch mit der dafür notwendigen Mentalität, Edgar Schein würde von Grundannahmen („basic assumptions“) sprechen, also einer Haltung, die Digitalisierung und die damit verbundenen Prozesse als wichtigen Bestandteil der Arbeitswelt begreift. Und hier sind wir mittendrin in der kulturellen Dimension. Nur durch kulturellen Wandel im Denken und Handeln wird auch digitale Transformation möglich werden. Die notwendigen Veränderungen nur digital zu begreifen, wäre zu eindimensional gedacht.
 

Was also tun?

Die Autoren der Studie schlagen einen Dreischritt vor: technische Innovation, Prozessinnovation und soziale Innovation. Wenn digitale Vernetzung ihr Potenzial entfalten soll, so muss sie auch sozio-kulturell stattfinden. Dieses sollte vom Senior Management klar und offen kommuniziert sowie auch vorgelebt werden. Ziel ist die soziale Innovation.

Ist Ihr Unternehmen für den digitalen Wandel bereit?

Wem das etwas zu abstrakt gedacht und formuliert ist, dem empfehlen wir - in Anlehnung an Edgar Schein’s Kulturebenenmodell - beispielhaft folgende Maßnahmen:
  1. Sorgen Sie dafür, dass digitale Elemente im normalen Arbeitsalltag integriert werden: Sei es in der Gestaltung von Räumen, die sinnvolle, digitale Elemente enthalten, die Formen des Austauschs, über welche Kanäle und Instrumente mit Kollegen, Kunden und Partnern ständig kommuniziert wird oder auch, indem Sie sich über Gelungenes und Mißlungenes im Rahmen der Digitalisierung lustig machen. Letztlich geht es um das bewusste Verhalten und Handeln in einer digitalisierten Welt.
  2. Messen Sie der Digitalisierung einen besonderen Wert bei, bspw. im Rahmen Ihres Leitbildes oder Ihrer Unternehmenswerte. Machen Sie die Chancen und den Nutzen, die Digitalisierung bietet, deutlich. Je stärker ein entsprechender Wert, zB Technikverliebtheit, im kollektiven Bewusstsein verankert ist, desto eher wird er auch gelebt werden.
  3. Diskutieren Sie mit Ihren Mitarbeitenden die grundlegenden Annahmen, die unbewusst zu einem bestimmten Verhalten führen. Was denken Sie im Unternehmen über die Natur des Menschen oder die Beschaffenheit zwischenmenschlicher Beziehungen im Allgemeinen? Was macht für Sie echte Beziehungen aus? Wieviel Digitalisierung und Technik vertragen wir, ohne dass das Menschliche dabei verloren geht?

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Fazit:
Das Eine („Digitale“) wird ohne das Andere („Analoge“) nicht auskommen. Vinyl-Liebhaber werden sich daran gewöhnen müssen, dass die Qualität von „Streaming“-Diensten umwerfend sein kann, vom damit verbunden Komfort („Wer hat schon auf Knopfdruck eine Million Titel parat?“) ganz zu schweigen. Und für all diejenigen, die Musik schon immer nur per „download“ aus Internetportalen gehört haben, heißt das, Voraussetzungen zu schaffen, in denen der Mensch auch vorkommen darf, in denen er oder sie „gut“ leben und seine/ihre Bedürfnisse verwirklichen kann sowie einen Platz mit Bindung zu anderen und zur Umwelt findet.
 
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