Ingo Kallenbach

Change Management: Management Y (Brandes, Gemmer, Koschek, Schültken)

Das Buch ist 2014 im Campus Verlag erschienen, geschrieben von den vier Autoren Brandes, Gemmer, Koschek und Schültken, alle in der Beraterbranche tätig. Brandes ist auch beteiligt an dem begrüßenswerten „Neue Arbeit Projekt Augenhöhe“. Das Buch kommt bunt daher und erinnert an frühere, mit viel Mühe und Design-Geschick gemachte Ausgaben des Campus-Verlags Business Model Generation… Also mit vielen Bildern, großformatigen Fotos, Darstellungen, Zitaten, Raum für Entdeckungen - damit aber auch immer hart an der Grenze zum Bilderbuch.

Change Management: Management Y

Doch jetzt zum Wichtigsten: dem Inhalt. Wie der Titel schon ankündigt, geht es um das Management der Gegenwart, denn das ist die Generation Y - die sog. „Millennials“ - geboren von ´77-´98, die den Übergang des 20. Jahrhunderts („alte Arbeitswelt“) ins neue Jahrtausend („neue Arbeitswelt / new work“) darstellen. Es geht also um Kulturwandel, neue Arbeitsformen, Digitalisierung, „Design Thinking“, „Scrum“, authentische Unternehmenskommunikation und: „Es geht auch anders - und zwar besser“. Statt kontrollieren - Entfaltung ermöglichen, statt alles vorausplanen - schrittweise entdecken, statt fremdgesteuert - eigenverantwortlich und statt Unterordnung - Teilhabe. Vereinfacht könnte man auch sagen: Es geht um Potenzialentfaltung.
 

Change Management der Generation Y

Das Buch ist in 4 Kapitel gegliedert. Das erste Kapitel entfaltet Grundlagen für ein menschlicheres Management. Es geht um die Unterscheidung zw. Theorie X und Y (s. McGregor’s Ausführungen aus den 60er Jahren), Flow (s. Csikszentmihalyi), Sinn, Partizipation und Komplexität. Nicht neu, aber komprimiert dargestellt.
Im zweiten Kapitel beleuchten die Autoren aktuelle Herausforderungen von Organisationen aus 4 Perspektiven: Kundenbedürfnis, flexible Lieferung, Unternehmenskultur und Unternehmenskommunikation. Wenn Sie sich jetzt wundern, warum gerade diese 4 Dimensionen ausgewählt wurden, so geht es Ihnen wie uns. Sie erscheinen etwas wahllos. Nichtsdestotrotz bieten sie interessante Einblicke auf Herausforderungen, denen sich Organisationen heute gegenübersehen. Auch diese sind nicht neu, die Buchregale sind meterweise gefüllt damit, aber sie sind eben auf den aktuellsten Stand gebracht, das macht das Reizvolle dieses Kapitels aus. Darüber hinaus bieten sie innovative Herangehensweisen, von denen vermutlich noch nicht jeder gehört hat: „Design Thinking“, „Lean Start up“, „Minimum Viable Product“, „Open Innovation“ etc.

Am spannendsten liest sich Kapitel 3, in welchem die Autoren sowie Gastautoren 24 Möglichkeiten zur Gestaltung des Wandels aus der Praxis vorstellen. Das geht von alternativen Möglichkeiten im Rahmen von Bewerbergesprächen („Frag’ den Bewerber“) über Kreativitätsworkshops („Slack“) bis hin zur Durchführung größerer Veränderungsprozesse („Fearless Journey“).
Das vierte Kapitel irritiert zunächst, folgt man der Einleitung. Es soll Perspektiven liefern über die im Buch aufgeführten Aspekte hinaus. Im folgenden werden dann jedoch weitere Ideen aus unterschiedlichen Disziplinen aufgeführt (z.B. „Story telling“, „Wertschätzende Kommunikation, „Improvisationstheater“ u. a.), die ebenfalls beschreiben, wie man Organisationen zukunftsfähig gestalten kann. An dieser Stelle hätten wir uns eher eine kritische Position mit den wirklichen Grenzen, Mißerfolgen oder auch konkrete Fallbeschreibungen von Unternehmen, die die Autoren im Wandel begleitet haben, vorstellen können. So bleibt es bei einer weiteren Reihe an Aufzählungen, die den Gesamtzusammenhang und eine Struktur vermissen lassen.

Was gibt es noch? Viele Links verweisen auf die Website, wenn man etwas tiefer bohren möchte. Einerseits eine gute Möglichkeit, um für interessierte Leser/innen mehr Informationen bereit zu stellen. Macht man sich dann jedoch die Mühe, findet man oft nur unwesentlich mehr Informationen. Hier wäre es schöner gewesen, hätte man diese in einer extra Box im Buch kurz dargestellt.
Begrüßenswert finden wir die Anregungen zum Mitmachen, die sich durch das ganze Buch ziehen und den Spirit, Feedback zu geben und an der Bewegung teilzuhaben. Das wirkt echt, überzeugend und setzt die wichtigsten Botschaften direkt um. Verwunderlich nur, dass bis Ende August 2015 - trotz positiver Resonanz in der Presse - davon noch niemand gebraucht gemacht hat, zumindest nicht auf der Website.

Fazit: Insgesamt ist das Buch eine gut gemachte Darstellung aktueller Trends neuer Arbeitsformen im 21. Jhdt und teils frischer Methoden, die nicht nur der sog. „Generation Y“ entgegenkommen sollten, sondern auch zeitgemäße Konzepte für die Organisation der Gegenwart und Zukunft darstellen. Das Buch halten wir vor allem für Organisationsberater und Mitarbeiter aus der Personal- und Organisationsentwicklung geeignet.